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Nach der Entscheidung ist vor der Entscheidung

Die Entscheidung ist zum Teil getroffen und nun muss man mit dem Ergebniss versuchen klar zu kommen, was mindestens ebenso schwierig ist, wie zu einer Entscheidung zu kommen. Soll man alles verdrängen? Sich einschließen und auf bessere Zeiten hoffen? Sich ins Leben stürzen? Oder doch auf die Rücknahme der Entscheidung hoffen? Zuersteinmal ist man zu sehr betäubt um einen klaren Gedanken zu fassen. Der Schmerz lässt erstmal keine anderen Gedanken und Gefühle zu, was auch sehr tröstlich sein kann. Doch wenn der Schmerz nachlässt steht man auf einmal vor einem riesigen Loch und hat keine Ahnung, wie man sich jetzt verhalten soll. Manchmal schafft man es die ganzen "schlechten" Gedanken zu vergessen und dann geht es einem gut. Jederzeit kann es allerdings wieder in die Sinne kommen und man wird wie von einem Faustschlag ins Gesicht getroffen, steht wieder am Anfang. Das schlimmste ist die Zeit, in der man alleine ist und Niemanden hat, der einen ablenken kann oder der einen aufmuntert. Man droht in einem Strudel aus Schmerz, Sehnsucht und Kummer unterzugehen. Die Gedanken an das Vergangene, an das was passiert ist, an das was noch kommen kann, ergreifen Besitz von uns. Man wird sie nicht mehr so leicht los, sie lassen sich nicht abschütteln. Sie hängen wie eine Klette an uns. Saugen wie ein Blutegel unsere Energie. Sind Schmarotzer unserer Seele. Ein positives hat die Situation: Wenn man am Boden liegt, geht es solange der Boden nicht nachgibt, nicht mehr weiter nach unten. Es ist verdammt schwer nicht liegen zu bleiben, versuchen aufzustehen und weiterzugehen. Man braucht erstmal eine Weile um wieder genug Kraft zu haben, dass man sich wieder auf die Beine stellt und einen Schritt nach Vorne macht. Wie nach einer schweren Verletzung gibt es Rückschläge und es braucht lange Zeit um wieder die Kraft vor dem Ganzen zu besitzen. Die ersten Schritte sind wacklig und unbeholfen. Doch es wird besser, solange der Boden nicht nachgibt, es keine neuen Verletzungen und zu große Rückschläge gibt. Ob mein Boden fest genug ist, ob er meine Schritte trägt weiß ich noch nicht. Ich muss erstmal anfangen können aufzustehen...

5.12.07 21:37, kommentieren



Lohnt sich Ehrlichkeit?

Ich versuche immer ehrlich zu sein und wenn ich etwas tue, mir vorzustellen wie das für die Person ist, die es betrifft. Das klappt natürlich nicht immer und man macht Dinge, die man im Nachhinein so lieber nicht getan hätte. Wenn ich feststelle, dass ich einen Fehler gemacht habe, versuche ich diesen auszubügeln oder die Sache klarzustellen. Wenn ich mein Wort gegeben habe, dann halte ich mich daran und ich stehe zu dem, was ich gesagt oder getan habe. Menschen machen Fehler und genau deshalb sind wir Menschen. Was ich aber absolut nicht nachvollziehen kann ist, wenn man sich selbst immer nur das Wichtigste ist. Moralapostel ist bestimmt nicht das, was ich sein will! Aber es muss doch möglich sein, dass wir es schaffen ehrlich und offen miteinander umzugehen und nicht noch nachtreten, wenn jemand schon auf dem Boden liegt. Auch wenn es uns selbst schlecht geht und wir nicht wissen, wie es weitergehen soll, können wir doch immer noch jemandem, dem es genauso schlecht geht helfen und uns gegenseitig beim Aufstehen stützen? Was hat man davon, wenn man dem Anderen noch die Beine beim Aufstehversuch wegzieht? Genugtuung? Rache? Schadenfreude? Ich weiß es nicht... Ich kann Rachegefühle verstehen und manchmal sind Rachegefühle vorallem tröstende Gefühle. Doch man sollte mal über die Konsequenzen nachdenken! Wenn man tief verletzt wurde, dann betäubt die Rache vielleicht für eine Zeit die Schmerzen, doch sie ändert nichts mehr an den Tatsachen, die passiert sind. Übt man jetzt selbst Rache aus, ist man keinen Deut besser, als der der uns verletzt hat und wir schaffen eine Person, die sich rächen will... Und wenn wir Pech haben, trifft uns diese Rache dann in einem Moment, den wir nicht erwarten und in dem wir sehr verletzlich sind. Dann könnten wir noch mehr verletzt werden, als wir es vorher waren. Mit jeder schlechten Erfahrung bekommen wir Narben und diese Narben erinnern uns an Dinge, die wir lieber nicht erlebt hätten. Aber diese Narben können uns auch sagen, was wir besser machen können und was wir anderen nicht antun sollten! Sich zu überwinden und neues Vertrauen zu fassen, wird mit jeder Narbe schwieriger, weil wir uns nicht mehr so vertrauensvoll fallen lassen können und Angst haben, wieder verletzt zu werden. Aber es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als es solange zu versuchen, bis wir unser Glück gefunden haben! Die Versuchung am Boden liegen zu bleiben, sich zu vergraben ist groß, genauso wie alles zu verdrängen und über die Strenge zu schlagen. Mal wieder richtig loslassen, feiern und alles vergessen! Beides braucht seinen Platz und seine Zeit! Beides sollte man tun um die Narben zu vergessen und um wieder klar zu kommen! Doch dies auf Kosten anderer zu tun, wird irgendwann als Bumerang zurückschlagen! Auch wenn Ehrlichkeit manchmal schmerzhaft ist und nicht nur Vorteile bringt, ohne sie würden wir uns nicht mehr in die Augen schauen können! Auch wenn wir manchmal denken, unehrliche Menschen erreichen mehr, denen geht es besser, dann muss man sich fragen ob man das so erreichen will? Oder doch lieber ehrlich erarbeitet? Auch wenn es weh tut, ich versuche so gut es geht ehrlich zu bleiben...

13.12.07 22:24, kommentieren

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